Praemandatum: Das Unternehmen bist du – brand eins online

Praemandatum

Das Unternehmen bist du

Viele IT-Firmen experimentieren mit demokratischen Strukturen, aber kaum eine treibt es so weit wie Praemandatum aus Hannover. Er war der einzige Mitarbeiter, als es darum ging, einen Namen für das Unternehmen zu finden. „Sonst hätte ich ihn niemals durchbekommen“, sagt Peter Leppelt, 37, Gründer und Geschäftsführer von Praemandatum. Das Unternehmen berät Firmen beim Datenschutz und bietet passende Softwarelösungen an. Praemandatum ist das lateinische Wort für Steckbrief. Leppelt fand den Namen passend und einzigartig, ein wenig schwer zu merken vielleicht, na gut. Heute könnte er die Entscheidung nicht mehr allein treffen. Heute stimmten seine 27 Mitarbeiter mit ab. Wenn die Mehrheit sagte, „zu kompliziert“, müsste sich Leppelt beugen.„Wenn 75 Prozent der Leute der gleichen Meinung sind, könnten sie durchaus recht haben“, sagt der Chef. Nach dieser Philosophie hat er sein Unternehmen organisiert. Jeder im Team wird ständig an Entscheidungen beteiligt. Das fängt bei der eigenen Arbeitsorganisation an: Wie, wann und wo sie ihre Aufgaben erledigen, entscheiden die Leute selbst. Jeden Monat können sie aufs Neue festlegen, wie viele Tage die Woche sie arbeiten wollen. Aber hier hört es nicht auf.Dienstag, 15 Uhr, der einzige verbindliche Termin der Woche für das Praemandatum-Team. Etwa 20 Leute versammeln sich um den langen Tisch in der Büromitte, einige rollen ihre schweren Schreibtischstühle heran. Der Platz auf der halben Büroetage in der Innenstadt von Hannover ist begrenzt, der Umzug in größere Räume in der Etage darüber steht kurz bevor. Ein Beamer wirft die Liste der zu besprechenden Themen an die Wand: neuer Mitarbeiter, Termin für die Weihnachtsfeier, interne Praktika.Über den letzten Punkt wird heute abgestimmt. Soll jeder die Verpflichtung eingehen, einmal in den anderen Teams zu hospitieren? Das Marketing zum Beispiel in der Software-Infrastruktur? Fünf, sechs Hände gehen nach oben. „Es könnte doch freiwillig sein“, wirft jemand ein. Die Frage wird neu formuliert: Soll man sich anschauen können, was die anderen Teams machen? Fast alle Hände gehen hoch. Ab jetzt gibt es bei Praemandatum die Möglichkeit, interne Praktika zu absolvieren.Es folgen Abstimmungen darüber, ob ein Verhaltenskodex eingeführt werden soll (abgelehnt) und ob man sich als neues Projekt mit der App eines Möbelherstellers beschäftigen soll (angenommen). Das Dienstagstreffen ist Mitarbeiterversammlung, Kummerkasten und Strategiesitzung zugleich. Entscheidungen über die Anschaffung einer neuen Kaffeemaschine werden genauso getroffen wie die, welchen Projekten sich das Unternehmen widmen soll.Damit beschreitet Praemandatum einen Weg, der in Zukunft für weit mehr Unternehmen relevant werden könnte. Es habe sich eine Gemengelage gebildet, sagt Andreas Boes vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München, die eine neue Form von Mitbestimmung zum Thema mache.Zum einen strebe eine Generation in die Arbeitswelt, die mit dem Internet groß geworden sei und höhere Ansprüche an Mitsprache und Transparenz stelle. Zum anderen übernähmen auch klassische Unternehmen zunehmend Konzepte wie Open Source und bezögen Communitys ein, die im Netz entstanden sind. Dazu brauchen die Unternehmen laut Boes einen neuen Typ Mitarbeiter: niemanden, der nur Anweisungen entgegennimmt, sondern einen, der selbst aktiv und vernetzt agiert. „Wenn die Leute so arbeiten sollen, brauchen wir eine demokratische Unternehmenskultur, die dem gerecht wird.“Wie aber kann ein Unternehmen wie Praemandatum, in dem jeder über alles mitreden darf, funktionieren?I It’s the technology, stupidDie erste und offensichtliche Antwort: Bei Praemandatum haben sie eine technische Lösung gefunden. Beim Meeting sitzt neben Peter Leppelt ein Mitarbeiter am Laptop. Er ist der „Ticketbeauftragte“. Sobald sich aus den Diskussionen oder Abstimmungen Aufgaben ergeben, um die sich jemand kümmern muss, erstellt er mit der Open-Source-Software Redmine ein elektronisches Ticket mit verantwortlichem Kollegen, Aufgabenbeschreibung, Deadline und Priorität.Durch dieses System behält jeder den Überblick, was er bis wann zu erledigen hat. Es hilft zu filtern. „Was nicht in der Redmine ist, existiert für mich nicht“, sagt einer aus dem Team. Gleichzeitig erkennt der Auftraggeber, ob und wann sich der Aufgabe angenommen wurde. Jeder kann jedem ein Ticket erstellen, und jeder sieht alle offenen Tickets – so schauen sie sich gegenseitig auf die Finger.II Wir müssen redenWer über alles mitbestimmen soll, muss über alles informiert sein. Die Software, über die das Ticketsystem läuft, ist gleichzeitig Unternehmens-Wiki: Von der Kontaktadresse des Teehändlers über die Protokolle aller Meetings bis zu Unternehmenszahlen, Businessplan und strategische Planung – alles kann hier nachgelesen werden. Jeder hier hat jederzeit Zugang zu dieser Software, ob er Windows, Mac OS oder Linux benutzt, ob er um drei Uhr nachts im Büro sitzt …. (weiter s.u.)

Quelle: Praemandatum: Das Unternehmen bist du – brand eins online

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