Gründungszuschuss in München pauschal gestrichen?

Ist der Gründungszuschuss in München pauschal gestrichen?
Ein Beitrag zum Stand der Dinge

Die Kommentare zum letzten Beitrag sprechen eine deutliche Sprache: Dass Sachbearbeiter der Agentur für Arbeit in München Gründern jede Hoffnung nehmen, eine Förderung durch den Gründungszuschuss zu erhalten, ist wahr, und es sind keine Einzelfälle.

Gleichzeitig hat sich auch die Geschäftsleitung der Münchner Arbeitsagentur geäußert. Sie gibt bekannt, dass es keinerlei Änderungen in der Förderung gebe und jeder Einzelfall geprüft werde. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Mittel begrenzt seien und dass man nur die förderungswürdigen Gründungsvorhaben auch wirklich fördern könne. Außerdem heißt es, dass es in München viele offene Stellen gebe und eine Vermittlung auf eine freie Stelle immer Vorrang habe. Im Jahr 2016 sollen ca. 1.200 Gründungen gefördert werden, 251 seien es Ende Februar schon. Das Budget wurde also in den ersten 2 Monaten überschritten.

Was sagen uns diese teilweise widersprüchlichen Aussagen?
Über eine Kürzung der Mittel noch nicht sehr viel, solange nicht bekannt ist, wie viele Gründungen 2015 und vorher gefördert wurden. Deutlich ist wohl, dass es zukünftig auch Ablehnungen geben wird. Abzusehen war die Einschränkung spätestens seit Ende 2015, als manche Sachbearbeiter Existenzgründer dazu drängten, noch im alten Jahr zu gründen oder wenigstens ein Gründungsdatum früh in 2016 festzulegen.

Was folgt nun daraus und was soll man tun?
Zunächst einmal:
Hoffen, dass es tatsächlich keine allgemeine Ablehnung aller Anträge gibt und wirklich im Einzelfall entschieden wird.
Eine Gründung gut vorbereiten und gut begründen, und sich nicht von pauschalen Aussagen, es habe sowieso keinen Sinn, davon abbringen lassen, überhaupt einen Antrag zu stellen.
Natürlich macht jede Absage den Sachbearbeitern Arbeit, und die Bearbeitung eines etwaigen Widerspruchs gegen eine Ablehnung nochmals. Daher ist die Neigung mancher Sachbearbeiter, lieber gleich pauschal abzusagen, verständlich.
Außerdem ist es für die Mitarbeiter der Agentur sicherlich keine angenehme Situation, ihren Kunden nun alle Hoffnung zu nehmen, wenn sie zuvor denselben Personen den Zuschuss in Aussicht gestellt oder sie gar erst auf die Idee einer Gründung gebracht haben.

Schön wäre es natürlich, wenn Antragsteller schon vorher wüßten, welche Gründe gegen eine Förderung stehen. Sind es der Beruf und die gute Vermittelbarkeit? Wird hier genau hingesehen oder gilt die Aussage, jeder unter 50 sei derzeit vermittelbar?
Oder könnte die Begründung vielleicht lauten, dass der Antragsteller seinen Lebensunterhalt in den ersten Monaten auch ohne Gründungszuschuss selbst finanzieren kann, etwa, weil er bei der Kündigung eine erhebliche Abfindung erhalten hat?
Oft würde Klarheit an dieser Stelle eine Ablehnung nachvollziehbar und erwartbar machen.

In manchen Fällen kann es unter diesen Umständen sinnvoll sein, zunächst nebenberuflich, auch neben dem Bezug von Arbeitslosengeld oder einem Job in Anstellung zu gründen und das Business langsam aufzubauen.

Um Planungssicherheit zu haben, braucht es aber für den Einzelnen mehr Klarheit, als bisher besteht. Änderungen, vor allem Einsparungen, wenn sie denn schon sein müssen, sollten mit Ansage kommen. Und rechtzeitig.
(Michael Höhne)

17 thoughts on “Gründungszuschuss in München pauschal gestrichen?

  • Hallo Herr Höhne und alle zukünftigen Gründer,
    es gibt ihn noch, den Gründungszuschuss in München! 🙂 Möglicherweise gehöre ich zu den „Glücklichen“, die schon während der Arbeitslosigkeit und auch bei der Antragstellung auf den Gründungszuschuss auf Unterstützung für die Idee Selbständigkeit seitens der BetreuerIn bei der AA gestossen sind. Da ich schon eine freiberufliche Nebentätigkeit hatte, war dann der Tipp von Herrn Höhne zum Prozedere „neue Anmeldung“ beim Finanzamt sehr hilfreich und die gesammelten Unterlagen habe ich dann persönlich bei der Agentur für Arbeit abgegeben. Nach einem kurzen Telefonat mit der Betreuerin und zwei Wochen später (Ende Juni) war der positive Bescheid da.

  • Sehr geehrter Herr Höhne,
    es hat zwar einige Zeit gedauert und ich musste auch zweimal nachhaken, aber ich habe die Verlängerung des Gründungszuschusses erfreulicherweise erhalten. Vielen Dank nochmals an Sie.
    Ich denke wir sehen uns beim nächsten Stammtisch.
    Viele Grüße

  • Zu Ihrer Information: Ich habe die Bewilligung für den Gründungszuschuss erhalten (nach einer Woche Bearbeitungszeit!).

  • Guten Tag Herr Höhne,
    Da sie ja um Neuigkeiten gebeten haben, wollte ich Ihnen mitteilen, dass ich Anfang April die Fortführung beantragt habe – durch ihre Info eher mit der Befürchtung einer Absage, und gestern die Bewilligung für die 9 Monate a 300 bekommen hab.
    Um anderen Mut zu machen!

  • Whistleblower meinen, die Münchner Agentur für Arbeit habe wieder Gelder frei für den Gründungszuschuss. Die letzten Nachrichten über Genehmigungen sprechen dafür.Schade nur, dass es einige Gründer hart getroffen hat, die im Vertrauen auf frühere positive Aussagen gegründet haben und dann eine Ablehnung erhielten.
    Ich denke allerdings, dass es weiterhin neben Bewilligungen auch immer wieder Ablehnungen geben wird (M.H.)

  • Lieber Herr Höhne,
    Ich hab den Zuschuss bekommen! Bearbeitungszeit waren zwei Wochen!
    Beste Grüße US

  • Hallo Herr Höhne,
    mein Gründungszuschuss Antrag ist bewilligt worden.
    Ich musste zwar 5 Wochen auf die Antwort vom Arbeitsamt warten, aber am Ende hat es sich doch gelohnt.
    Ich schicke ihnen diese Information damit Sie sie an anderen Interessenten weiter geben können.
    Ist nicht alles verloren 🙂
    In mein Fall, habe ich während der Vorbereitungszeit keine negative Nachricht oder Telefonat vom Arbeitsamt bekommen.

  • Lieber Herr Höhne,
    mit großem Interesse und auch einiger Besorgnis habe ich die Neuigkeiten rund um den Gründungszuschuss verfolgt.
    Vielen Dank, dass Sie uns Existenzgründer dazu auf dem Laufenden gehalten haben!
    Und ich freue mich sehr, meinerseits heute eine gute Nachricht überbringen zu können:
    Ich hatte mich, trotz aller schlechten Vorzeichen, entschlossen, den Antrag einzureichen. Schon in meiner Eingliederungsvereinbarung, die ich in einem Gespräch noch vor Eintritt der Arbeitslosigkeit im Mai 2015 mit meiner Betreuerin geschlossen hatte, war festgelegt, dass ich alle Schritte unternehme, um mich selbstständig zu machen.
    Als ich kürzlich auf die Schwierigkeiten mit den GZ aufmerksam wurde, habe ich in einem Beratungstermin mit meiner Betreuerin besprochen, wie die Chancen stehen. Sie hatte mich ebenfalls darüber informiert, dass viel weniger Zuschüsse genehmigt werden, dies aber keineswegs pauschal erfolgt. Vorrang hätte aber die Vermittlung in ein Angestelltenverhältnis. Sie gab mir den Tipp, in der Begründung meines Antrags nochmals zu verdeutlichen, warum ich schwer vermittelbar bin. Ich arbeite überwiegend im Kulturbereich und in der Hochschul-Lehre, wo Festanstellungen bzw. unbefristete Arbeitsverhältnisse rar sind.
    Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, was schlussendlich ausschlaggebend war. Jedoch habe ich gestern, 10 Tage (!) nach Einreichung meines Antrags das Bewilligungschreiben für den Gründungszuschuss in meinem Briefkasten vorgefunden!
    Mein Rat ist, hartnäckig zu bleiben und das persönliche Gespräch mit den Betreuern zu suchen, um die Möglichkeiten auszuloten.

  • Ich habe Nachricht von zwei weiteren konkreten Ablehnungen und einer Genehmigung. Zu den Einzelheiten kann ich derzeit noch nichts veröffentlichen.
    Die Ablehnungen der Anträge auf Gründungszuschuss erfolgten nach Auskunft der Gründer beide aufgrund von Vermittelbarkeit in ein Angestelltenverhältnis. Einmal war dies nach einer Weiterbildung der Fall, die aber eigentlich für die Chancenverbesserung in der Selbstständigkeit vereinbart war. Im anderen Fall wurde auf freie Stellen in München verwiesen, obwohl der Gründer in seine Heimatstadt zurückkehren wollte.
    Beide „Fälle“ sind also nicht ganz typisch und man kann sich sicher um die Grundlage für die Ablehnung streiten.
    Und es ist sehr deutlich geworden, dass keineswegs ALLE Anträge abgelehnt werden, es lohnt sich sicher in vielen Fällen, es zu versuchen und sich nicht „abwimmeln“ zu lassen.

  • Ich hatte meine Unterlagen zum Gründungszuschuss vollständig beim Arbeitsamt eingereicht, aber nach der lange Wartezeit habe ich mitbekommen, dass meine Finanzamt-Bestätigung für Freiberuflerin-Anmeldung nicht erhalten hätten. Ich hatte eigentlich über einen Monat auf die Finanzamt-Bestätigung gewartet, bevor ich meine Unterlagen beim Arbeitsamt abgegeben hatte. Meine Sachbearbeiterin schrieb mit Email zu mir, dass Sie meine Finanzamt-Bestätigung nicht erhalten hat, deswegen mein Antrag nicht bearbeitet wird.
    Ich habe noch Mals mit Email die Finanzamt-Bestätigung und auch meine Umsatzsteuervoranmeldungsbestätigung vom Finanzamt für Dezember, Januar und Februar gesendet.
    Aber Ich habe wieder mitbekommen, dass die Sachbearbeiterin nicht wieder die Finanzamt-Bestätigung bekommen hätte. Ich habe darauf meinen Antrag für die Gründungszuschuß zurückgezogen und versuche mir jetzt eine Festeinstellung zu finden. Ich bekomme wieder Arbeitslosengeld, Ich habe für diesen Zeitraum, wo ich mich als Freiberuflerin angemeldet hatte, kein Arbeitslosengeld bekommen. Ich habe auch Widerspruch geschrieben, es wurde abgelehnt. Als ich beim Arbeitsamt den Termin hatte, die Sachbearbeiterin war sehr sauer, als ich wieder gesagt hatte, dass ich die Finanzamt-Bestätigung mehrmals gesendet hatte.

  • Mein Antrag auf Gründungszuschuss wurde letzte Woche bewilligt! Ich hatte proaktiv noch einmal eine Mail in der Woche vor meinem offiziellen Gründungsdatum an die Arbeitsagentur geschickt mit der Bitte um einen status quo. Tags darauf kam prompt die Antwort-Mail (allerdings nicht von meiner bisherigen Beraterin) mit der wunderbaren Nachricht, dass ich den Zuschuss bekomme. Inwiefern mein Beruf und die damit verbundene Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt dafür ausschlaggebend war, kann ich nicht beurteilen. Für alle, die noch Hoffen und Bangen kann ich nur einen Tipp weitergeben: nicht abwimmeln lassen, ein gutes Verhältnis zu den Beratern pflegen und hartnäckig bleiben – dann könnte es klappen.

  • Ich hatte ja einen Termin im Amt wegen des Businessplans. Da hat mir die zuständige Dame das genau so gesagt…..:
    Sie sind angewiesen alles abzulehnen und mit der Vermittelbarkeit oder mangelnder Tragfähigkeit zu begründen.

  • Mein Arbeitsvermittler hat mir bestätigt, dass der Gründungszuschuss „eingestampft“ wurde. Er sei nur noch in Ausnahmefällen zu genehmigen, z. B. bei Kunden, die nicht vermittelbar sind, was auf Führungskräfte bzw. Kunden über 60 zutrifft.
    Dennoch hat er mir geraten, meinen Plan einzureichen, um diesen dann in seinem Team zu besprechen. Außerdem meinte er, dass in 2 Monaten alles wieder anders sein könne…

  • Ich hab letzte Woche die Zusage bekommen. Ich hatte bereits letztes Jahr im Oktober meine Pläne beim Amt angekündigt, zum 1.1. gegründet und die Unterlagen Ende Dezember abgegeben, hatte aber Anfang Februar etwas nachreichen müssen.

  • Kann es sein, dass die Diskussion und Veröffentlichung der verschiedenen Auskünfte sowie die offizielle Antwort der Agentur etwas verändert hat?! Das wäre eine schöne Erfahrung. (MH)

  • Es gibt Neuigkeiten von der Arbeitsagentur für mich – vielleicht interessant für alle.
    Ich habe nach unserem Treffen und den daraus gewonnen Erkenntnissen meine Vermittlerin angeschrieben und sie damit konfrontiert, dass sie mir grundsätzlich die Ablehnung des Zuschusses in Aussicht stellt, andere Vermittler das aber nicht getan hätten. Plus die offizelle Stellungnahme der Agentur. Sie rief mich an und teilte mir mit:
    Sie wisse selbst nicht, wie das mit den Zuschüssen jetzt aussähe. Sie würde jede Woche (!) etwas anderes intern zu hören bekommen. Es sei offensichtlich, dass noch Zuschüsse gewährt würden. Aber es würde strenger geprüft, ohne dass sich an der Rechtslage etwas geändert habe. Es käme schon noch mehr auf den Einzelfall an. So würden Journalisten zwar gesucht, seien vermittelbar und daher nicht zuschussfähig, aber mich als Chefredakteur könnte sie natürlich nicht vermitteln. Insofern wäre eine Existenzgründung sinnvoll. Ob mein Antrag durchkäme könne sie aber nicht sagen. Viel hänge jetzt von der Teamleitung ab. Aber selbst wenn mein Antrag abgelehnt würde, sehe sie derzeit gute Aussichten, dass ich mit meinem Widerspruch Erfolg hätte. Offiziell könne sie mir weder zu- noch abraten den Antrag zu stellen.
    Ich habe den Antrag jetzt also gestellt, weil die150-Tage-Linie näher rückt. Und weil bei solcher Unsicherheit im Amt die Aussichten doch besser sind als gedacht

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