Geld für Ideen – Sieben Minuten für Millionen

Geld für Ideen – Sieben Minuten für Millionen
ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung (s.u.), vielleicht etwas für Teilnehmer beim FORUM EX-IST?

Von Jakob Wetzel

Nicolas Jakob hat sieben Minuten, und diese kurze Zeit entscheidet womöglich nicht nur über eine halbe Million Euro, sondern auch über die Zukunft seiner Geschäftsidee. Der 19-Jährige will sich gemeinsam mit zwei Kollegen mit einer virtuellen Prepaid-Kreditkarte namens „Wismo“ im Internet selbständig machen. Eltern, so die Idee, könnten ihren Kindern Taschengeld auf diese Karte überweisen, mit dem diese dann zum Beispiel bei Online-Spielen bezahlen können. Bislang könnten sie diese Angebote oft aus Altersgründen nicht legal nutzen. Finden die drei Münchner einen Investoren, wollen sie mit dieser Idee bereits im Januar 2017 auf den Markt gehen. Doch einstweilen steht Jakob noch im ersten Obergeschoss der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) beim „Cashwalk“, einer Start-up-Messe des LMU Entrepreneurship Centers und des Förderprogramms „German Accelerator“, das deutschen Start-ups den Weg auf den US-amerikanischen Markt ebnet. Es ist Dienstagnachmittag um kurz nach halb drei, und es geht um alles. Vor Jakob sitzen Dutzende mögliche Geldgeber, zudem drei Juroren. Drei Minuten darf der Nachwuchs-Gründer reden, danach vier Minuten auf Fragen antworten, um sich zu erklären. Dann heißt es abwarten und hoffen.

Jakobs „Wismo“ ist eines von 50 Start-ups, die in die LMU gekommen sind. In sechs Runden dürfen die Jung-Unternehmer ihre Geschäftsmodelle vorstellen, am Ende kürt eine Jury aus insgesamt elf Führungskräften aus der Investment-Branche sechs Sieger. Die Gewinner erhalten kein Geld, aber eine besondere Förderung: Das Gründerzentrum vermittelt ein einstündiges Treffen mit einem Kapitalgeber inklusive einer professionellen Vorbereitung.

Am Dienstagabend ist schließlich klar: „Wismo“ hat den Sieg verpasst. Gewonnen haben Start-ups aus den Bereichen Medizin-Technik, Online-Spiele, digitale Medien, eine Internet-Plattform zur Anmietung von Baumaschinen und eine Navigationstechnologie für die Suche nach einem Parkplatz. Doch allzu enttäuscht müssen Jakob und seine Mitstreiter nicht sein, denn schon die Messe selbst bedeutet eine Chance: Mehr als 60 Investoren sind gekommen, sie sind hier in der Überzahl. Alle Anwesenden sind handverlesen: Die potenziellen Geldgeber wurden nach Erfolgsquoten ausgewählt; und für die 50 Start-up-Plätze hatten sich mehr als 180 Bewerber gemeldet, sagt Andy Goldstein, der Leiter des Gründerzentrums und Chef von „German Accelerator“. „Jede Person, der man hier zufällig über den Weg läuft, sollte also interessant sein.“ Weil der „Cashwalk“ nicht auf bestimmte Branchen beschränkt ist, ließen sich zudem gut Trends ausmachen, sagt Daniel Kilger vom LMU Entrepreneurship Center. Für Kilger ist es der zweite „Cashwalk“. Die Messe soll halbjährlich wiederholt werden, Premiere war am 16. Februar. Dabei hatten 58 Start-ups ihre Ideen präsentiert; damals seien darunter viele Entwickler von Apps gewesen. Das nehme nun ab. Im Kommen seien Themen wie maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Viele Bewerber an diesem Dienstag setzen auf Finanztechnologie wie „Wismo“, andere haben medizinische Apparate entwickelt. Aber die Ideen reichen von einem Online-Portal, bei dem Vermieter geeignete Mieter finden sollen, über eine Verwaltungssoftware für Kindergärten bis hin zu „Coolar“, einem Kühlschrank, der nicht mit Strom funktioniert, sondern mit Wärme.

Für die Start-ups sei der „Cashwalk“ kostenfrei, sagt Kilger. Wie viel Geld er ihnen bringe, sei schwer zu sagen. Oft gehe es ums Kennenlernen. Wenn später ein Investor einsteige, sei das schwer kausal auf die Messe zurückzuführen. Aber es gehe ohnehin nicht nur ums Geld. Ziel sei, München als Gründerstandort voran zu bringen. Das Gründerzentrum begleitet deshalb Studenten von der Idee bis zu deren Marktreife, es vermittelt Kontakte und fördert selbst bis zu 15 Start-ups im Halbjahr mit Büroräumen, sagt Kilger. „Wir fühlen uns hier selber wie ein Start-up.“

Quelle: Südddeutsche Zeitung vom 21.9.16

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